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Am 05.05.2015 war es endlich soweit: Die Gewinner des Tetenal  S/W Classic Awards  wurde in einem Votingmarathon aus fast 1.200 Einsendungen auserkoren. Final ist Oliver Hecht aus Deutschland mit seinem Bild “Mood” aus der Kategorie Architektur unser European Champion geworden. Bis zu diesem Zeitpunkt lagen spannende Wochen hinter uns. Im September 2014 waren wir auf der photokina mit einer Vision gestartet:

Wir suchen das beste analoge S/W Foto Europas.

Kaum gestartet, kamen beim Warten auf die ersten Bilder kleine Zweifel auf: Locken wir mit unserem Award die Dunkelkammerfans aus der Reserve? Ist der Zeitpunkt der Richtige?  Und bekommen wir genügend Einsendungen…? Die Liste der Fragen war lang und die Ungewissheit, wie der Wettbewerb in der Außenwelt angenommen wird, war groß.
Pünktlich zum Weihnachtsfest trafen dann eine Vielzahl von Bildern ein. Und was für tolle Aufnahmen!

Was in den darauffolgenden Wochen folgte, war pure Euphorie. Stapelweise Pakete brachte unsere Versandabteilung täglich in unsere Fotowettbewerbszentrale. Die Like-Zahlen auf facebook schnellten in die Höhe und uns erreichten Anfragen aus aller Welt. Im März wurde aus dem Wettbewerb eine Fulltime-Beschäftigung. Fast jedes der 1.189 Bilder wurde gescannt und in unserer Online-Galerie veröffentlicht. Allein in den letzten drei Tagen erreichten uns noch über 300 Bilder.
Da wussten wir, dass wir einen Nerv getroffen haben – und das insbesondere auch bei jungen Fotografen. So kommt unser jüngster Teilnehmer aus Luxemburg und ist gerade erst 13 Jahre alt geworden.

Dass die Bilder unserer “Youngster” denen der “Großen” in nichts nachstehen, beweist diese kleine Auswahl:

Philipp Bauer / “Das Geisterhotel” / Architektur

Julian Weidinger / “Staudamm” / Architektur

Ann-Kathrin Häupl / “Damenhut” / People/Lifestyle

Ganz zum Schluss erreichten uns auch drei Bilder, die selbst den gestandenen Juroren beim Voting die Sprache verschlugen. Dieser Glanz, diese Tiefe, diese Nuancen, … !
Unter dem Titel “Die drei Schwestern”, benannt nach einem Theaterstück von Anton Tschechow, lagen drei Portraits vor uns, die im Zuge eines langfristigem Projekts am Thomas-Mann-Gymnasium in München entstanden sind. Dabei wurden 25 Schülerinnen aus der Unterstufe von den Teilnehmern eines Oberstufen-Fotoseminars portraitiert und dies in einer selbstgebauten begehbaren Kamera. Drei Portraits hatten es glücklicherweise nun zu uns in den hohen Norden geschafft. Wir waren so begeistert, dass wir uns kurzerhand entschieden, einen Sonderpreis auszuloben:
Die Geburtsstunde des “Nachwuchspreises der analogen Fotografie”!

Nach dem Wettbewerb nahmen wir direkt Kontakt mit dem Lehrer Tibor von Zeppelin auf, um ihn zum einen die frohe Kunde zu überbringen und zum anderen mehr über dieses wirklich einzigartige Projekt zu erfahren. Aber lesen Sie  selbst:

Drei Schwestern #01_Fotogruppe Thomas-Mann-Gymnasium München_D_PortraitDie begehbare Kamera ist bereits vor zwei Jahren entstanden. Das Ziel: einen Fotoapparat zu konstruieren, mit dem die Schüler Planfilmnegative und kollodiumbeschichtete Platten, sowie Ilfochrom-Positivpapier in sehr großen Formaten belichten konnten, ohne dabei eine Planfilmkassette benutzen zu müssen. Dafür wurde kurzerhand die Tür des Fotolabors gegen ein in der Größe identisches Brett ausgetauscht. In dessen Mitte wurde ein Loch gebohrt, welches das Aufnahmeobjektiv aufnehmen konnte. Hierbei handelt es sich um ein riesiges Drei Schwestern #02_Fotogruppe Thomas-Mann-Gymnasium München_D_Portraitlaserzentriertes Rodenstock-Reproduktions-Objektiv mit 600 Millimetern Brennweite: messerscharf und für den Nahbereich optimiert.

Der Boden des Fotolabors wurde kurzerhand mit einem Schienensystem ausgestattet, auf dem ein kugelgelagerter kleiner Wagen bewegt werden konnte. Auf diesem Wagen und parallel zum Objektivbrett befindet sich schließlich die Projektionsfläche der Kamera. Sie ist etwa zwei Meter hoch und 60 Zentimeter breit und ihr Abstand zum Objektiv kann mithilfe des Wagens variiert werden:Drei Schwestern #03_Fotogruppe Thomas-Mann-Gymnasium München_D_Portrait
So kann das Bild auf der Kamera nach Belieben auf die Film- bzw. Projektionsebene fokussiert werden.

Nun braucht es nur noch zwei Personen in der Kamera und eine Person außerhalb und natürlich die Models. Deren Abbildung wird von einer der Personen in der Kamera auf die Projektionsebene scharf gestellt. Danach wird das Objektiv mit einem Deckel verschlossen und in der nun dunklen Kamera ein Planfilm an der Stelle der früheren Abbildung fixiert. Dies geschieht mit Hilfe einer Aluminium-Maske, die von Magneten gehalten wird.

Das Licht für die Aufnahme wird durch einen Studioblitz erzeugt, der von der Person vor der Kamera ausgelöst wird. Für die exakte Synchronisierung der einzelnen Vorgänge ist eine reibungslose Kommunikation zwischen den beteiligten Personen in und vor dem Apparat notwendig. Alle Zurufe erfolgen dabei über ein mehrfach gekrümmtes Abflussrohr aus Kunststoff, das das Brett mit dem Objektiv durchquert und dabei schall-, aber nicht lichtdurchlässig ist. Nach dem Belichten können die Planfilmnegative gleich im Fotolabor in Schalen entwickelt werden. Die meisten Bilder haben eine Größe von 1 m x 1,5 m und werden in der Schulaula ausgestellt.

Wenn Sie noch mehr zu diesem Projekt erfahren wollen, schauen Sie doch gleich einmal hier vorbei.

Unsere Gewinner des Nachwuchspreises: Die Schüler des Thomas-Mann-Gymnasium, München

Wir sind wirklich zutiefst beeindruckt von dem Engagement des Lehrers und der Begeisterung dieser jungen analogen Künstler.
Liebe Schüler des Thomas-Mann-Gymnasiums in München: Vielen Dank, dass Ihr Eure Arbeiten mit uns geteilt habt, auch wenn uns ein Vögelchen gezwitschert hat, dass Ihr eigentlich gar nicht so davon überzeugt seid. Unsere Jury, Analog-Profis und die Größen der BFF-Szene habt Ihr vollends überzeugt. Ein schöneres Lob gibt es kaum. Wir hoffen, dass Ihr Eure Begeisterung für das Fotohandwerk niemals verlieren werdet. Wir behalten Euch in jedem Fall im Auge!

Final noch ein kleines Resümee zum Wettbewerb:
Ende gut, alles gut! 🙂 Analoge Fotografie lebt!
Wir möchten uns bei allen Teilnehmern, Kollegen und Juroren bedanken. Sie alle haben diesen Wettbewerb zu etwas ganz Großem werden lassen und der Dunkelkammer wieder Leben eingehaucht.
DANKE!

Und nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Der Wettbewerb geht weiter.
Wie, wann, wo?
Verfolgen Sie uns auch weiterhin auf facebook und an dieser Stelle, dann werden Sie nichts verpassen. Versprochen.