SebastianDürfen wir vorstellen: Sebastian Peise aus Berlin, 24 Jahre alt und ganz offiziell unser erster Gast-Blogger. Warum wir heute mal Sebastian selbst zu Wort kommen lassen? Im Rahmen seiner Abschlussarbeit für die Neue Schule der Fotografie in Berlin hat Sebastian ein Projekt verwirklicht, dass uns vom ersten Moment an begeistert hat. Wir sind sehr froh, das wir ihn auch durch unsere Produkte, bei diesem Schaffensprozess begleiten durften. Aber wer, wenn nicht er selbst, der sich über ein Jahr mit diesem Projekt tagtäglich auseinander gesetzt hat, kann uns besser mit auf seine Reise nehmen: Von der ersten Idee bis zum Stadtpanorama der Superlative. Und nun genug der Worte und wir überlassen Sebastian Peise unseren Blog …

City NO 6 / 4E – 4 – Prozess
“Die Idee zu meiner Abschlussarbeit an der Neuen Schule für Fotografie (Abschlussklasse 2015, Mark Volk) kam mir vor gut einem Jahr. Mich interessiert schon recht lange die Thematik der allgemeinen Großstadt, ihres Wachstums und der sozialen Strukturen. So wollte ich zuerst ein Projekt zum Thema „Anonymität der Großstadt“ erarbeiten, kam allerdings auf die Idee, zu versuchen, das Wachstum großer Städte darzustellen. Die Überlegung, die zunehmende Verstädterung anhand einer begehbaren Fotoinstallation zu verdeutlichen folgte schnell:
Eine dystopische Stadt, die durch kalte Glas- und Stahlfassaden besticht und nicht mehr den Menschen, sondern den Fortschritt ihrer selbst als Maßstab hat.

City NO 6 (Zusammengefügtes Panoramabild/Photocredit: Sebastian Peise)

City NO 6 (Zusammengefügtes Panoramabild/Photocredit: Sebastian Peise)

Nach langem überlegen, wie ich dieses Projekt angehen soll, begann ich eben solche Gebäude zu recherchieren und reiste etwa eine Woche nach London, Paris, Utrecht, Frankfurt und zurück nach Berlin. Die genaue Vorstellung von dem Bild kam mir während dieser Reise. Es sollte mit Fotoemulsion auf Leinen belichtet werden, um primär ohne Qualitätsverlust diese Stadt in angemessener Größe wiederzugeben. Wieder zu Hause angekommen, fing ich an, die einzelnen Gebäude, die aus etwa 40 – 80 Einzelbildern bestanden, zusammenzusetzen. Nach etwa 60 einzelnen Gebäuden habe ich angefangen, mit diesen eine Stadt zu bauen. Nach etlichen Stunden vor Photoshop stand sie und der nächste Schritt konnte eingeleitet werden.
Nach einem Gespräch mit meinem Printer Oliver Rolf, ob es überhaupt umsetzbar ist, stand dem Projekt nur noch eine ausgiebige Materialplanung im Weg. Da ich Tetenal Produkte auch sonst für meine Arbeiten nutze, lag die Entscheidung nahe, hier mein Projekt vorzustellen und mit mir bekannten Produkten umzusetzen.  Um alles für den Vergrößerungsprozess vorzubereiten, haben wir die Digitale Datei auf einem Diafilm ausgelichtet und in der Dunkelkammer ein Internegativ auf einem 8/10’’ Planfilm belichtet und entwickelt. Um das einzelne Negativ zu projizieren, haben wir einen Homrich Horizontal-Vergrößerer genutzt.
Dunkelkammer Vorbereitung Arbeitsmittel

Da ich das Stadtpanorama in drei einzelne Teile (2 m x 1,5 m) unterteilen wollte, damit es begehbar wird und einem Triptychon gleicht, mussten wir einen Weg finden, die 3 qm großen Teile vernünftig zu entwickeln. Nachdem wir ein großes Becken gebaut hatten und die ersten Belichtungstest durchliefen, traten auch schon die ersten Fehlerquellen auf. Vom Ablösen der Emulsionsschicht, bis hin zu der Unmöglichkeit, einen großen, nassen Leinenstoff zu zweit zu bewegen und aufzuhängen. Wir verbrachten 4 Tage á 13 Stunden, bis der erste gelungene Test die Dunkelkammer verließ und alle Fehler nivelliert und Vorgehensweisen besprochen waren. Wir entschieden uns, das einzelne Drittel, nochmals in 3 Teilen zu entwickeln, da es ein viel einfacheres Handling versprach. Der endgültige Prozess der Vergrößerung war nun: Die Leinwand abzuspülen (Schutzschicht/ Imprägnierung abwaschen), mit Gelatine einzustreichen (verstärkt die Haftbarkeit der Emulsion auf der Leinwand), Einstreichen der Fotoemulsion und anschließendes Entwickeln.
Entwicklungsprozess Entwicklungsprozess2 Entwicklung2
Oliver Rolf Peise und Rolf Oliver Rolf 2

Die Work-Emulsion von Tetenal eignet sich sehr gut für das Belichten auf verschiedensten Materialien, sofern der Emulsionsträger gut haftet oder zuvor mit Gelatine bearbeitet wurde. Man sollte beachten, dass sie schon etwa 2 – 3 Stunden vor Gebrauch stetig auf 35 – 45 °C gehalten wird, da es sonst Probleme mit dem bestreichen der Flüssigkeit geben kann. Kalt ist die Emulsion in fester Form und härtet bei Unterbrechung der Wärmebehandlung sehr schnell aus. Wir mussten auch bemerken, dass jeweils die Dicke der Schicht und der damit verbundenen Trocknungszeit von Gelatine, als auch der Emulsion, starke Auswirkungen auf Kontrast und Helligkeit des Endergebnisses haben.
Um das, nun aus 9 Teilen bestehende Panorama angemessen zu präsentieren, habe ich final die einzelnen Teile zusammengenäht, mit Ösen versehen und in einen eigens konzipierten Rahmen eingefädelt.

Das Endergebnis meines Stadtpanoramas ist 6,30 m x 1,60 m groß und hat ingesamt etwa 250 Liter Eukobrom AC Entwickler, Indicet Stoppbad mit dazugehörigem Härter und Superfix-Fixierer, sowie einige Nerven gebraucht.”

Bild linksBild MitteBild Rechts

Nachdem die Arbeit bis zum 08.11. in der Fotoschule in Berlin ausgestellt war, geht Sie nun auf weitere Reisen. Wir halten Sie hierzu auf dem Laufenden, wann und wo das Stadtpanorama ausgestellt sein wird. Sebastian, wir möchten uns herzlich für unseren ersten Gastbeitrag und dein Vertrauen in unsere Produkte bedanken. Insbesondere freuen wir uns, dass unsere kleine Zugabe “Vitamin C” dir geholfen hat, deine Arbeit nach deinen Vorstellungen zu vollenden und dich der Eukobrom AC nachhaltig überzeugt hat.
Wir sind begeistert vom deinem Endresultat und wünschen dir alles Gute für deine Zukunft!

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