Gastblogger bei Tetenal: Josefine Thieme mit ihrer Abschlussarbeit “Zeitvertreib”

Wir waren von Josefines Idee sofort begeistert und nehmen euch heute mit auf die Reise zum “Zeitvertreib” mit der analogen Großformatkamera:

“In unserem Alltag, kristallisiert sich Zeit zunehmend zu einem kostbaren Gut, von dem ein stetiger Mangel vorzuherrschen scheint. Trotzdem werden immer mehr Attraktionen geschaffen, um uns Menschen zu unterhalten. Ich habe mir die Frage gestellt, was gibt es für Orte, die diese Anziehungskraft für (Menschen-)Massen haben, was sind dies für Orte? Was macht sie aus? Und welchen Charakter haben diese Orte ohne Menschenmassen?

Diese Gedanken haben sich manifestiert und ich wollte unbedingt einen dieser Orte ohne Menschen fotografieren. So entstand die Bildidee auf Jahrmärkten Aufnahmen zu machen, jedoch während der Schließzeiten und ohne dabei einen Menschen abzubilden. Ich wollte die Atmosphäre umkehren. Die Assoziation dieser Orte mit vielen Menschen, Musik, Lautstärke, Bewegung und Schnelligkeit komplett in Stillstand und Leere abbilden. Sichtbares unsichtbar machen, alles reduzieren was ablenkt und von den knalligen Bonbonfarben, den blinkenden Lichtern und durch den lauten Trubel normalerweise überdeckt wird.

Also reiste ich mit der Großformatkamera das ganze Frühjahr durch die Städte und besuchte ihre Jahrmärkte. Immer morgens, ohne Trubel, ohne Menschen. Die Aufnahmen wurden mit einer analogen Großformatkamera, (einer Sinar F) gemacht und auf 4×5“ Planfilm (S/W) belichtet.

Ich wollte für die Präsentation Abzüge im Format 50×60 cm auf Barytpapier erstellen. Hier realisierte ich wie kostenintensiv meine Abschlussarbeit werden würde, denn abgesehen vom Fotopapier selber, forderten die Größe der Schalen einige Liter an Entwickler und Fixierer. Ich wandte mich daher an die Firma Tetenal, die mich freundlicher Weise den gesamten Schaffensprozess über mit Chemikalien unterstützte und somit maßgeblich zur Umsetzung meiner Abschlussarbeit beigetragen hat.

Die Präsentation umfasst acht ausgewählte Bilder. Ich wollte, dass der Betrachter sich wie auf einem Rundgang auf dem Jahrmarkt fühlt und habe die Bilder bewusst danach ausgewählt. Der Betrachter soll in das Bild hineingeführt werden, so, als würde er wie gewohnt zum Zeitvertreib durch die Gänge des Jahrmarktes schlendern. Überwiegend sind die Gänge zentriert, die Kamera mittig positioniert. So werden die Fahrgeschäfte und Jahrmarkt-Buden beiderseits wahrgenommen und bilden mit ihren geschlossenen Rollläden und Planen eine Art Wand. Diese Wirkung auf den Betrachter ist bewusst so gewollt. Die Leere soll hier den Raum beherrschen.”

Josefine ist Studentin der Uni Leipzig und studiert Kunstpädagogik. Dieses Projekt ist Teil ihrer künstlerischen Abschlussarbeit, die sie natürlich (!) bestanden hat. Die analoge s/w-Fotografie begleitet sie schon Jahre und ist ein leidenschaftliches Hobby. Auch die Arbeit im Labor ist ein Handwerk, in das sich Josefine verliebt hat. “Hier kommt meine Neugier auf ihre Kosten, wenn sich auf dem weißen Fotopapier plötzlich ein Bild abzeichnet”, so Josefine. Last-but-not least: Entwickelt wurden alle Bilder mit Tetenal Eukobrom und Superfix Plus.

Ganz lieben Dank an Josefine für diese beindruckenden Bilder und weiterhin viel Erfolg und natürlich Spaß mit der analogen Fotografie!

 

 

 


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1 Kommentar

  1. Auch meine Neugier kam beim lesen des Textes und beim betrachten der Bilder 100 %tig auf ihre Kosten. Es hat mich tief bewegt.

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